Afrikanische Schweinepest (ASP) – Land probt den Ernstfall

Erstellt am 19.11.2018

In der vergangenen Woche wurde der Ernstfall bei Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Landkreis Biberach geprobt. Über 200 Mitwirkende aus dem Landkreis Biberach, dem Veterinärzug Ravensburg, den Ministerien für Inneres und Landwirtschaft sowie der Veterinäruntersuchungsämter und die KJV waren dabei im Einsatz. Auch die Drohne der KJV Biberach war in die Übung mit eingebunden. Mit ihrer Hilfe sollte bereits vor der Suche abgeklärt werden, ob sich lebende Wildschweine im zu durchsuchenden Bereich aufhalten. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass durch die Suche keine Wildschweine aktiv aus dem Gebiet vertrieben werden.

 

Folgendes Übungss-Szenario wurde angenommen:

 

*** ÜBUNG *** ÜBUNG *** ÜBUNG ***

 

Am Dienstagmorgen wurde im Revier in Mettenberg ein krankes Wildschwein erlegt, beprobt und die Proben nach Aulendorf in das Staatliche Untersuchungsamt gebracht. Am Donnerstagmorgen um 8.25 Uhr hatte man dann die Gewissheit, dass es sich um ein an ASP erkranktes Wildschwein gehandelt hat. Sofort wurde ein Krisenstab im Landratsamt eingerichtet und die notwednigen Maßnahmen eingeleitet. Eine Kernzone (Radius von 3 Km um den Fundort), ein gefährdetes Gebiet (Radius 15 Km) sowie eine Pufferzone (Radius 30 Km) wurden eingerichtet.

 

Seitens der Jagdbehörde wurden alle Pächter in den beiden inneren Bereichen telefonisch kontaktiert, um deren Erreichbarkeit zu überpüfen. Diese würden im Ernstfall ebenfalls umgehend informiert werden, dass ab sofort ein komplettes Jagdverbot in den Restzriktionszonen gilt. Ziel ist es, die Wildschweine nicht zu beunruhigen und an den aktuellen Standorten zu binden, um eine weitere Verbreitung der Seuche zu vermeiden. Die Wildschweinbestände sollen dann mit einer sog. „stillen Entnahme“ dezimiert werden. Dies bedeutet den Einsatz von Anlockfütterungen und Saufängen. Der Schusswaffengebrauch wird dagegen vermieden, um die Schweine nicht unnötig auf die Läufe zu bringen und die Seuche nicht weiter zu tragen.

 

In der Kernzone sowie im gefährdeten Gebiet herrscht zu Anfang des Seuchengeschehens ein absolutes Betretungsverbot für die Wald- und Feldflur. Das gilt für alle Personen, ob Landwirt, Jagdpächter, Erholungssuchende oder Waldbesitzer. Jäger können von der Behörde angewiesen werden, bei der Fallwildsuche, bei der Einrichtung bzw. beim Betrieb von Anlockfütterungen oder den Saufängen behilflich zu sein. Ansonsten sind die Jagdpächter in konkreten Aktionen nicht beteiligt. Was dies für den Ersatz des Wildschadens von Reh- und Schwarzwild bedeutet oder wie die rechtliche Lage in Bezug auf Jagdpachtverträge aussieht, kann derzeit noch niemand sagen. Rechtlich sind diesbezüglich noch nicht alle Fragen abschließend geklärt.

 

Im betroffenen Gebiet werden aktuell mehr als 200.000 Hausschweine gehalten. Im Ernstfall sind deshalb zahlreiche Existenzen in der Landwirtschaft, im Handel und im Fleischgewerbe gefährdet, da davon ausgegangen werden muss, dass ein Großteil aller Hausschweine nicht mehr vermarktbar sein wird und ggf. aus Gründen des Tierschutzes getötet werden müsste.

 

Am Freitagnachmittag fand ein Runder Tisch mit Vertretern aller beteiligten Verbände statt. Dort wurden behördliche Maßnahmen für die Landwirtschaft, das fleischverarbeitende Gewerbe und die Jägerschaft erläutert bzw. mögliche Konsequenzen diskutiert. Es wurde auch erläutert, wie der rechtliche Rahmen für die Schlachtung oder die Verbringung von Hausschweinen aus den gefährdeten Bereichen aussieht, sofern sich denn ein Handelspartner finden würde. Ebenso wurde das Thema Jagd. bzw. Jagdruhe thematisiert.

 

Am Samstag fand, wie aus der Presse zu entnehmen war, eine sehr umfangreiche praktische Übung statt: Der Jagdpächter hatte am Freitag eine Wildschwein-Rotte mit zwei schwer kranken Stücken in den Wald nahe der Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) einwechseln sehen und hatte dies dem Landratsamt gemeldet. Wegen der sensiblen Nähe zur TBA wurde für den Samstag eine gezielte Fallwildsuche in diesen Waldstück angesetzt. Unter den Augen von Landwirtschaftsminister Peter Hauk hatte dann die Drohne der KJV ihren großen Auftritt. Der Wald wurde von Manfred Lochbühler gekonnt abgeflogen, um zu prüfen ob sich die Rotte noch in dem Waldstück aufhält und ob somit eine Fallwildsuche, ohne die Gefahr des Versprengens der Tiere, möglich ist. Dies fand großen Anklang bei Funk und Fernsehen sowie bei allen Beteiligten.

 

In diesem Zuge konnten auch Kontakte zur obersten Jagdbehörde und zur Wildforschungsstelle geknüpft werden, so dass künftig unsere Drohnen noch weiter und effektiver eingesetzt werden können.

 

Alles in allem bleibt zu hoffen, dass sich dieses Szenario nicht im Kreis Biberach abspielen wird. Denn das würde für die betroffenen Jäger das Ende der Jagd in ihrem Revier für einen längeren Zeitraum bedeuten.

Erstellt am 19.11.2018
Zurück zur Übersicht